7 Schritte zum perfekten Bild

Date:  |  Author: Matthias Pommranz

Icon BildbearbeitungKeine Kamera liefert »druckfertige« Fotos. Im professionellen Einsatz muss jedes Bild optimiert werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Sehen hier die wichtigsten Schritte, wie aus einer guten Vorlage ein knackiges Bild wird.

Ob Print oder Web, ob eigene Fotos, Stockbilder oder vom Kunden gestellte JPGs: Jedes Bild bedeutet vor der Veröffentlichung auch Bildbearbeitung. In den letzten Wochen habe ich wieder hunderte Fotos bearbeitet und dabei auch neue Tools ausprobiert. So entstand die Idee, an dieser Stelle einen Einblick in diese Arbeit zu geben. Wir lassen mal die »kreative« Bearbeitung beiseite und konzentrieren uns auf den Weg hin zu hochwertigen, aber immer noch »natürlich« wirkenden Fotos. Dabei werden im Prinzip immer wieder dieselben Punkte abgearbeitet.

Screenshot Adobe Photoshop

Vorab noch ein Wort zur Technik. JPG ist das bekannteste digitale Bildformat. Profis verwenden jedoch gerne eine Kamera, die Bilder im RAW-Format aufnimmt, da dieses Format einen höheren Tonwertumfang nutzt – das verbessert die Qualität der Vorlage. In einem Konvertierprogramm (z.B. Adobe Camera Raw) werden Bildeigenschaften wie Helligkeit, Farbbalance oder Schärfe voreingestellt; anschließend erfolgt die eigentliche Bearbei­tung in Adobe PhotoShop. Für die weitere Optimierung nutze ich spezielle Tools der Topaz Labs.

Schritt 1: Objektivkorrektur

Fast alle Aufnahmen wirken durch die Objektivverzerrung tonnen- oder kissenförmig, so dass gerade Linien mehr oder weniger gebogen sind. Diesen Effekt gleiche ich in Camera Raw aus und korrigiere dabei bei Bedarf gleich zwei weitere Objektivfehler: Farbsäume (chromatische Aberration) und Schatten in den Bildecken (Vignettenbildung).

Schritt 2: Bild ausrichten und beschneiden

Natürlich gibt es kreative Schnappschüsse in wilden Winkeln. Meistens ist es aber angebracht, den Horizont bzw. rechte Winkel gerade auszurichten und die Perspektive zu korrigieren. Anschließend wird oft der Bildausschnitt neu bestimmt – um verzerrte Ecken abzuschneiden, oder weil das Bild durch den neuen Ausschnitt einfach besser wirkt.

Schritt 3: Störelemente entfernen

Photoshop hält verschiedene intelligente Werkzeuge bereit, um störende Bildelemente zu löschen (z.B. Stromleitungen, Fahrzeuge, Bildfehler) und bestimmte Bildbereiche neu zu füllen (z.B. leere Ecken, die durch perspektivische Verzerrung entstanden sind).

Damit liegt nun das eigentliche Bildmotiv vollständig vor. Mit den nachfolgenden Schritten wird das Aussehen des Bilds optimiert.

Bildbearbeitung Vergleich vorher – nachher

Beispiel 1: Kloster Sveti Naum, Mazedonien

Schritt 4: Tonwerte optimieren

Die Kameraautomatik soll dafür sorgen, dass die Bilder gut aussehen: nicht zu hell, nicht zu dunkel, nicht zu flau. Das funktioniert nicht immer. Ein Profi regelt auch bei guten Aufnahmen die Belichtung selbst, setzt Weiß- und Schwarzpunkt und behebt bei Bedarf Abrisse in hellen Partien. Ein besonderer Augenmerk liegt auf zugelaufenen Schatten, die speziell aufgehellt und in ihrer Zeichnung verstärkt werden.

Schritt 5: Farben anpassen

Mit Gradationskurven und Farbtemperatur-Reglern werden Farbfehler im Bild ausgeglichen, die z.B. bei künstlichem Licht entstehen. Dynamik und Sättigung regeln die Leuchtkraft des ganzen Bildes oder bestimmter Bereiche. Mit diesen Werkzeugen kann der Bearbeiter dem Bild je nach Wunsch eine wärmere oder kältere, lebhaftere oder technischere Atmosphäre geben – oder einen ganz individuellen Bildlook.

Bildbearbeitung Vergleich vorher – nachher

Beispiel 2: Karstlandschaft, Bosnien-Herzegowina

Schritt 6: Verbesserte Details und Bildwirkung

In den letzten Jahren haben neue intelligente Werkzeuge die Möglichkeiten der Bildbearbeitung erweitert. Am bekanntesten ist die HDR-Technik (High Dynamic Range), mit der über- und unter­belichtete Versionen des Bildes so verrechnet werden, dass ein in allen Bereichen lebhaftes Bild entsteht. HDR hat zu einer Schwemme von überzeichneten Fotos geführt, bietet aber auch dezente und dennoch wirksame Einsatzmöglichkeiten. Ähnlich wirken auf der Detailebene der Klarheit-Regler in Camera Raw oder Topaz Clarity: Sie sorgen bei kleinen bis mittleren Details (z.B. Wasser­tropfen) dafür, dass die Motive knackiger wirken, weniger verschwommen. Eine echte Entdeckung ist für mich der Ausgleichen-Filter in Topaz Adjust: Er analysiert das Bild, verbessert die Wirkung in einzelnen Bildbereichen und sorgt gleichzeitig für einen intensiveren Gesamteindruck.

Bildbearbeitung Vergleich vorher – nachher

Beispiel 3: Freunde in der Altstadt von Pogradec, Albanien / www.chwev.de

Schritt 7: Schärfe und Bildrauschen

Bereits beim Konvertieren des RAW-Bildes erhöhe ich die Schärfe des Originalbilds. Grundsätzlich steht das Einrichten der Detailschärfe jedoch am Ende des Bearbeitungsprozesses, und zwar in Abhängigkeit von der benötigten Auflösung: Website-BIlder erfordern eine spezielle Behandlung. Gleichzeitig wird das Bildrauschen reduziert, das sind Störpixel in glatten Flächen, besonders bei dunklen Fotos.

Bildbearbeitung Vergleich vorher – nachher

Beispiel 4: LKW-Transport, Kroatien / www.dhhn.de

Das sind also die wichtigsten Schritte zum perfekten Bild. Wenn′s schnell gehen soll, kommt man oft schon mit Automatik-Funktionen ans Ziel. In so manchem Bild steckt allerdings viel digitale Handarbeit – mehr als man vielleicht ahnt. Der Aufwand steigt schnell, wenn Bereiche separat bearbeitet werden (klassischer Fall: dunkles Motiv vor hellem Himmel). Oder wenn Produkte freigestellt, mit einem neuen Schlagschatten versehen oder auf einen anderen Hintergrund gesetzt werden. Aber spätestens hier kommen wir in den anfangs erwähnten Bereich der kreativen Bildbearbeitung.

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